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Der Weg ins Lager – Ich hatte keinen Namen mehr


Janina Wyrzykowska 

Es war der 15. August 1944, als wir, meine Mama und ich, in Ravensbrück ankamen. Ich wusste gar nicht, dass es so etwas auf der Welt gab: ein Konzentrationslager. Das Geschrei „Schnell, schnell!“, alles auf Deutsch. Stacheldraht, Hunde bellten. Um uns herum lauter Uniformierte, wahrscheinlich SS-Männer, Aufseherinnen.

In Ravensbrück wurden wir, meine Mama und ich, zu Erdarbeiten geschickt und mussten einen Karren mit Steinen schieben. Das war eine furchtbar schwere Arbeit. Zu essen bekamen wir Suppe aus Steckrüben, in der es so viel Sand gab, dass er zwischen den Zähnen knirschte. Wir konnten das nicht essen. Wir waren dort bis zum 4. September.

 

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Wacława Gałęzowska


Wir gingen durch das große Tor: Frauen in gestreiften Anzügen, Stacheldraht, das Gebrüll der Deutschen. Ich sagte zu meiner Freundin: „Lebendig kommen wir hier nicht wieder raus.“ Wir bekamen Nummer, meine war 52.633. Von dem Moment an hatte ich keinen Namen mehr, dafür aber einen roten Winkel mit dem Buchstaben „P“. „P“, weil ich Polin war. Und den roten Winkel für Politische. Wir alle waren politisch, alle Frauen aus Warschau. Auch 15-, 16-jährige Mädchen!

Den Kopf hat man mir geschoren, so dass ich gar keine Haare mehr hatte. Und dann musste ich mich einer gynäkologischen Untersuchung unterziehen. Das war furchtbar, ich war gerade 15 geworden. Alle Sachen nahm man uns weg, und wir bekamen schmutzige, gebrauchte Lumpen. Dünne Kleider mit angenähten großen Kreuzen aus einem anderen Stoff auf der Brust. Ich hatte ein braunes Kleid mit dunkelblauem Kreuz vorne und am Rücken großes dunkelblaues Viereck. Ich zitterte vor Kälte. Wir kamen in den Block. Ein lautes Schluchzen brach aus. Was ist uns bloß passiert?!

 

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Marianna Bogusz


Von Pruszków ging es zunächst nach Oranienburg, dort wurden wir selektiert: Die Männer wurden ausgesondert, dann die Frauen mit Kleinkindern von anderen Frauen und Mädchen getrennt. Ich ging mit einer Gruppe nach Ravensbrück. Ich hatte damals lange Zöpfe, und als wir im Lager ankamen, schnitt mir meine Schwester diese Zöpfe mit einem Messer ab.  

Auf dem Appelplatz mussten wir uns nackt ausziehen, dann ging es ins Bad. Zuvor hat man uns alles weggenommen, unsere Kleider, Schmuck, Geld, wenn jemand etwas mithatte. Ich musste Ohrringe und einen Kreuzanhänger aus Silber ich abgeben. Dann bekam ich Holzschuhe, ein dünnes Kleid, einen Mantel ohne Futter und ein dünnes langes Hemd. Wir waren dort sehr, sehr viele, meine Nummer war 52.497. Und wie viele Transporte noch nach uns gekommen sind! Eines Tages befahl man uns anzutreten und uns nackt auszuziehen. Einige Deutsche kamen und wählten sich Frauen aus. Sie schauten, ob wir gesunde Hände und alle Zähne hatten.

 

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