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Wiedersehen mit Eberswalde


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Lageralltag – 12-Stunden-Arbeitsschicht – Tag und Nacht


Marianna Bogusz


Im Lager waren nicht nur wir, die Polinnen. Es gab auch Frauen aus Frankreich und Jugoslawien, es gab Italienerinnen, Ukrainerinnen, Russinnen. Mit ihnen hatten wir aber kaum Kontakt. Alle Häftlinge arbeiteten in zwei Schichten, tags- und nachtsüber, in der Fabrik. Wir mussten um fünf Uhr früh aufstehen und zum Zählappell antreten. Nachdem wir gezählt worden waren, gaben sie uns eine Scheibe Brot und Kaffee, wohl aus Eicheln, schrecklich bitter. Und dann in die Fabrik. Geführt wurden wir von Aufseherinnen mit Hunden und Wachmännern mit Gewehren.

In der Fabrikhalle war es sehr kalt, es gab dort ein großes Tor, so dass ein Zug reinfahren konnte. Wir arbeiteten in zwei Schichten, tags- und nachtsüber, abwechselnd. Die Arbeit war schwer. Ich bearbeitete Flugzeugteile. Das waren Metallschachteln, die wir mit schweren Feilen bearbeiten mussten. Zwölf Stunden konnte man kaum aushalten.

 

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Janina Wyrzykowska 

 

Zunächst war ich mit meiner Mama in einem Arbeitskommando, so dass wir gemeinsam zur Fabrik gingen. Zusammen mit zwei anderen, etwas älteren Frauen, einer Ukrainerin und einer aus Jugoslawien, machte ich Schweißarbeiten. Ich war so müde und schwach, dass ich eines Nachts bei der Arbeit einfach einschlief. Als ein Wächter zur Kontrolle kam, wachte ich auf und zuckte zusammen. Er brüllte mich so an, dass ich vor Angst nur so zitterte. Die andere Frau schlug er schrecklich zusammen. Seit diesem Vorfall durfte ich nicht mehr in der Nachtschicht arbeiten. Das bedeutete die Trennung von meiner Mama, für mich eine Tragödie. Wir sahen uns dann kaum noch.

Eines Morgens ging ich in der Kolonne zur Arbeit, und meine Mama kehrte gerade ins Lager zurück. Meine Sehnsucht war so groß, dass ich die Reihe verließ, zu ihr lief, mich ihr um den Hals warf und in Tränen ausbrach. Die Aufseherin war so überrascht, dass sie auf mich zulief und mich schrecklich zu schlagen begann. Ich stand nur da, wusste nicht, was mir geschah und sah nur Sterne vor den Augen.“

 

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Wacława Gałęzowska


Einige Tage nach der Ankunft kamen einige Herren und versammelten uns alle in einer Baracke, wo mehrere lange Tische standen. Sie hatten bunte Bausteine und Muster mitgebracht, und wir mussten diese Bausteine innerhalb einer bestimmten Zeit zurechtlegen. Sie schauten dabei auf die Uhr. Sie wollten wohl prüfen, für welche Arbeit in der Fabrik wir geeignet waren.

Das waren die Ardelt-Werke, eine Munitionsfabrik. Diesen Namen werde ich nie vergessen. Ich musste Geschosse hochheben, sie in eine Trommelmaschine legen und einen Schieber betätigen. Dann sprang er von selbst zurück. Das waren Geschosse für die Flak. Mir schmerzten die Hände von diesem Hochheben, dabei musste ich sehr viele Stücke während einer Schicht bearbeiten. Es war so schwer, dass ich eines Tages ohnmächtig wurde. Ich war so schwach, so hungrig.

 

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