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Wiedersehen mit Eberswalde


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Rückkehr – Warschau gab es nicht mehr


Marianna Bogusz


Unsere Mutter suchte uns über das Rote Kreuz. Als wir das im Radio hörten, wollten wir zurück. Mit einem Schiff ging es nach Gdingen und dann mit dem Zug nach Warschau. Wir kamen am Ostbahnhof an. Straßenbahnen gab es nicht, und wir mussten zu Fuß über eine Pontonbrücke laufen. Wir gingen und weinten. In der Altstadt und in der Stadtmitte gab es nur Trümmer und ausgebrannte Häuser, man konnte einen Herzanfall bekommen. Keine Straßen, man kam nicht durch, überall lag nur Schutt. Aber es waren schon Menschen da, sie richteten sich Höhlen in diesen Ruinen ein, um dort zu wohnen. Aus den leeren Fenstern und Löchern ragten Rohre hervor, die Leute kochten etwas, Lichter waren zu sehen.

1947 arbeitete ich in einer Fabrik. Samstags gaben sie uns schon um 11 Uhr frei, und im Speisesaal der Fabrik bekamen wir geschnittenes Brot mit Schmalz oder Margarine und Tee dazu. Und dann auf die Lastwagen und zur Enttrümmerung Warschaus. Wir richteten die Stadt wieder auf. Wir lachten viel, sangen Lieder. Und wenn wir uns umdrehten, dann waren wir froh, so viel gemacht, so viel geschafft zu haben.

 

 

Wacława Gałęzowska


Ich erfuhr, dass meine Mutter lebte. Dann sagte ich mir, nichts wie weg, nach Hause. Das war für mich das Wichtigste. Mit einem Schiff fuhr ich nach Gdingen und dann mit dem Zug nach Warschau. Aber Warschau gab es nicht mehr. Nur Trümmer, Ruinen, Schutt und Asche, Skelette von Häusern. Unser Haus war ausgebrannt und zerstört. Das dritte Stockwerk war eingestürzt, und wir wohnten im zweiten. Es regnete bei uns durch die Decke. Es gab keine Scheiben in den Fenstern. Erst allmählich richteten wir uns ein.

 


Janina Wyrzykowska 

Wir hätten in Schweden bleiben können, Mama hätte arbeiten und ich in die Schule gehen können. Aber Mama wollte unbedingt zurück, wollte nach Papa und Bruder suchen, wollte auch ihre eigene Mutter sehen. So dass wir schließlich Ende Oktober zurück in Polen waren. Unser Haus gab es nicht mehr. Wo sollten wir hin? Die Tanten wohnten auf dem anderen Weichselufer, im Stadtviertel Praga, das Haus war nicht zerstört, und wir gingen zu ihnen. Mama erfuhr, dass ihre drei Brüder im Steinbruch ums Leben gekommen waren. Doch ein paar Tage später schaute jemand durch das Fenster herein. Mama rief: „Schau mal, Papa ist zurück!“